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Willkommen im Globalen Dorf / 68 Mura Calling |
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/ErsterSendungsentwurf DiesesWiki:FranzNahrada/VortragBioregion2026 ˧
fertige Radiosendung:
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"Nicht nur über Vorträge und Sonstiges, wenn diese jungen Leute das auf der Mur erleben, und das habe ich ja selbst erlebt, dann kriegt man einen anderen Bezug zur gesamten Region. Und das ist ja interessant, das Leben an der Mur. Wir haben das immer gesehen, entlang Slowenien noch weniger. Aber in Kroatien beginnt es, dort ist die Verbauung weg, Dort mäandert der Fluss, das heißt, er wird langsamer. Und ein Teilnehmer hat einmal gesagt, je langsamer der Fluss wird, umso ruhiger werden die Leute. .." ˧
Willkommen im Globalen Dorf ˧ Einen schönen guten Morgen oder wann immer Ihr diese Sendung hört. Hier ist Franz Nahrada aus Bad Radkersburg, mit der 68. Sendung aus der Reihe "Willkommen im Globalen Dorf" im Juni 2026 -jener Sendereihe die auf Radio Agora gestartet und dann zu Radio Helsinki Graz ins Exil gegangen ist. In dieser Reihe geht es um die Perspektive einer dezentralisierten und zugleich vernetzt kooperativen Welt, einem entschiedenen Gegenwurf zu dem derzeit grassierenden Wahnsinn der Imperien, der leider auch ein wenig die Europäische Union erfasst hat. Theoretische Reflexionen zur Welt der Globalen Dörfer lösen sich mit Praxisberichten ab. Heute, Ihr habt es im Teaser schon gehört, geht es wieder um ein praktisches Projekt im Sinn der Globalen Dörfer, hier bei uns im Südosten an der Mur. Das letzte Mal hatte ich im April unser Projekt Mitmachräume vorgestellt, heute geht es um das zweite Projekt das wir hier mit der DorfUni in Bad Radkersburg losgetreten haben, und der Name dieses Projekts ist wie der Name dieser Sendung: Mura Calling. Steigen wir ein .... ˧
(4:20) Es gibt Landschaften, die sind so selbstverständlich um uns, dass wir aufgehört haben sie zu sehen. (5:36) Über Jahrhunderte war sie eine Verbindung zwischen Menschen und Regionen. (5:42) Doch die politische Geschichte Europas machte aus vielen Flüssen Grenzen. (5:47) Was früher ein gemeinsamer Lebensraum war, wurde durch Verwaltungsgrenzen, Sprachen und nationale Erzählungen getrennt. (5:58) Und doch blieb unter der Oberfläche etwas erhalten. (6:04) Die Landschaft selbst kennt keine Grenze. (6:08) Die Vögel fragen nicht nach Bessen. (6:12) Die Fische kennen keine Staatszugehörigkeit. (6:17) Und das Wasser fließt weiter. (6:19) Diese einfache Erkenntnis war eine der Grundlagen für eine der großen europäischen Naturschutzideen unserer Zeit. (6:28) Die Entstehung des UNESCO-Biosphärenreservats Murtrau-Donau. (6:36) Es ist kein Zufall, dass dieser Raum oft als Europäischer Amazonas bezeichnet wird. (6:42) Auf fast 700 Kilometern verbindet dieses Flusssystem fünf Länder. ˧ (6:47) Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien. (6:55) In einer einzigartigen Landschaft aus Auwäldern, Nebenarmen und außergewöhnlicher biologischer Vielfalt. (7:02) Doch ein Biosphärenreservat ist mehr als ein Schutzgebiet. (7:09) Zumindest sollte es das sein. (7:12) Die UNESCO-Idee der Biosphäre verbindet Naturschutz mit menschlicher Entwicklung. (7:19) Sie stellt eine entscheidende Frage. (7:21) Wie können Menschen nicht gegen die Natur, sondern als bewusster Teil der Natur leben und wirtschaften? (7:30) Diese Frage beschäftigte Menschen in unserer Region lange bevor das Projekt Mura Calling entstand. ˧ (7:40) Einer der großen Vordenker dieser Entwicklung ist der Altbürgermeister von Bad Radkersburg, Heinrich Schmidlechner. (7:50) Er gehört zu jenen Menschen, die verstanden haben, dass die Mura nicht nur ein Fluss ist, (7:55) sondern ein gemeinsames Erbe und eine gemeinsame Verantwortung. ˧ (7:59) Es ist auch seiner Beharrlichkeit und jener vieler anderer Menschen zu verdanken, (8:05) dass die Idee einer grenzüberschreitenden Biosphäre Wirklichkeit wurde. (8:10) Ich habe ihn gebeten, uns Einblicke in diese schon wieder halbvergessene Entstehungsgeschichte zu geben. ˧
(insert Schmidlechner ˧
˧ (16:22) Vor diesem Hintergrund, den Heinrich Schmidlechner uns geschildert hat, (16:29) dass der Biosphärenpark nicht einfach ein Naturschutzgebiet ist, (16:34) sondern ein Experimentalort für die Verbindung von menschlicher und natürlicher Entwicklung. (16:44) Vor diesem Hintergrund sind viele Projekte entstanden, (16:48) welche die sich primär mit der Renaturierung von Teilen der Mura beschäftigt haben (16:57) und viele andere, manche für sanften Tourismus und so weiter. (17:04) Eine Frage, die war ziemlich unterbeleuchtet, (17:09) und genau diese Frage war der Ausgangspunkt der Initiative, (17:15) die wieder von einem slowenischen Partner ausgegangen ist. (17:18) Die Frage war, wie sorgen wir dafür, dass Kinder und Jugendliche die Biosphäre (17:23) nicht nur als Begriff in einem Schulbuch kennenlernen, (17:27) sondern als ihre zukünftige Heimat, als den Ort, den sie nicht verlassen, (17:35) sondern den sie gestalten sollen, den sie auf jeden Fall einmal kennen (17:40) und verstehen lernen sollen. ˧ (17:46) Und genau hier beginnt die Geschichte von Mura Calling. (17:53) ˧
Es gibt eine interessante Entwicklung in der europäischen Förderlandschaft. (17:58) Lange Zeit waren große Institutionen, Verwaltungen, Universitäten (18:02) oder große Organisationen die hauptsächlichen Träger grenzüberschreitender Projekte. (18:08) Doch gerade im Rahmen des Interreg-Programms (18:12) und speziell auch Slowenien-Österreich entstand eine neue Möglichkeit, (18:16) kleine Projekte, die ausdrücklich von zivilgesellschaftlichen Initiativen getragen werden. (18:23) Vielleicht ist das ein unscheinbarer Schritt, aber er ist von großer Bedeutung, (18:28) denn die Zivilgesellschaft ist auf jener Bereich der Gesellschaft, (18:30) in dem neue Ideen entstehen können. (18:35) Vereine, engagierte Bürgerinnen und Bürger, Lokalinitiativen, sie können experimentieren, (18:41) Brücken schlagen und Themen aufgreifen, die in großen Strukturen (18:45) manchmal so schnell keinen Platz finden. ˧ (18:50) Da gab es eben auf der slowenischen Seite den Verein Mura Rafting. (18:56) Der ist natürlich auch schon lange mit diesen Dingen beschäftigt, (19:02) weil der macht die Murbootsfahrten unter anderem. (19:06) Auf österreichischer Seite gab es die Dorfuni. (19:12) Irgendjemand hat in Slowenien geraten, kontaktiert die Dorfuni (19:16) für ein Projekt, das mit Bildung zu tun hat. (19:22) Und so sind zwei sehr unterschiedliche Organisationen zusammengekommen, (19:27) die aber eine gemeinsame Überzeugung verbunden hat. (19:32) Die Mur sollte nicht länger nur eine Grenze sein, sie sollte wieder primär (19:36) ein Ort der Begegnung werden. ˧ (19:41) Dann haben uns die Slowenen den Namen vorgeschlagen, der hat uns gefallen. (19:45) Mura Calling, die Mur ruft. Und was ist dieser Ruf? (19:51) Ist es ein Ruf zurück in eine romantische Vergangenheit? (19:55) Nein, das wäre eine Illusion. (20:00) Das können und wollen wir nicht, in eine alte Welt zurückkehren. (20:04) Es geht darum, eine neue Beziehung zwischen modernen Menschen (20:09) und ihren Landschaften zu entwickeln. (20:16) Wie es das Schicksal so wollte, (20:20) ist zur selben Zeit unsere Beziehung von der Dorfuni (20:25) zu Knut Wienberger entstanden unter GreenSteps. ˧ (20:30) Das war eigentlich eine wunderbare Fügung, (20:36) denn hier hat jemand versucht, ein Werkzeug zu konstruieren, (20:43) um Menschen mit Hilfe digitaler Technologien (20:47) raus aus den Klassenzimmer und sozusagen wirklich (20:52) in die Natur zu bringen. (20:55) Der Ort selbst wird zusammen mit diesen Werkzeugen zum Lehrbuch. (21:03) Spaziergänge werden zu Entdeckungsreisen. ˧ (21:06) Die Landschaft wird zu einem Netzwerk von Geschichten, von Fragen und Erkenntnissen. (21:12) In der Tat ist eben genau dieses Werkzeug (21:18) zur richtigen Zeit aufgetaucht und war sozusagen auch (21:22) der Teil unserer Antwort. (21:28) Wir haben gesagt, okay, wir machen mit (21:32) und wir haben auch ein Werkzeug, das wir euch gerne zeigen wollen. (21:37) Doch jede gute Idee muss irgendwann einmal (21:40) den ersten Schritt aus dem Papier hinaus machen. (21:45) Und dieser erste Schritt fand am 10. Oktober auf der Mur statt. ˧
(22:28) Am 10. Oktober 2025 wurde die Idee von Mura Calling (22:34) zum ersten Mal sichtbar und erfahrbar. (22:38) Der Ort dafür hätte kaum besser gewählt sein können. ˧ (22:41) Eben nicht ein Klassenraum, keine PowerPoint?-Präsentation, (22:46) sondern der Fluss selbst. (22:48) Auf der slowenischen Seite der Mur, organisiert von unseren Partnern von Mura Rafting, (22:55) sollten sich die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums (22:58) Franka Miklosic aus Ljutomer und Bad Radkersburg (23:03) zu ihrer ersten gemeinsamen Begegnung treffen. (23:07) Manche von ihnen lebten vielleicht nur wenige Kilometer voneinander entfernt (23:11) und doch hatte die Grenze ihre eigenen Wirkungen hinterlassen. ˧ (23:15) Man kennt einander nicht automatisch, nur weil man nahe beieinander wohnt. (23:19) Geschichte, Sprachen und Gewohnheiten trennten die Menschen. (23:23) Vielleicht ist das eine der großen Paradoxien Europas. (23:27) Wir haben politische Grenzen geöffnet, aber die inneren Landkarten in unseren Köpfen, (23:32) die brauchen oft länger, um sich zu verändern. ˧
(23:37) Es ist also der 10. Oktober, 8 Uhr morgens, (23:41) auf der slowenischen Murseite von Bad Bad Radkersburg. (23:46) Mehrere Boote mit den österreichischen Schülerinnen und Schülern, (23:53) begleitet von ihren Lehrkräften (23:56) und den erfahrenen Bootsführern von Moorrafting (24:02) bestiegen die Boote und legten ab. (24:06) Ein Lehrer hat sogar sein Kanu mitgenommen, (24:08) um sie von außen zu unterstützen. (24:14) Langsam haben sie sich auf der Moor flussabwärts bewegt. ˧ (24:18) Das Wasser, die Ufer, die Auwälder, all das wurde unmittelbar erlebt. (24:25) Es ist etwas besonderes, wie schon Heinrich Schmidlechner gesagt hat, (24:29) einen Fluss vom Wasser zu erfahren. (24:32) Plötzlich verändert sich die Perspektive. ˧ (24:33) Der Fluss ist nicht mehr ein Objekt, das man von außen beobachtet. (24:37) Man befindet sich in ihm, man wird Teil der Bewegung. (24:41) Vielleicht ist das die einfachste Form von Place Based Learning. (24:47) Ein Ort wird nicht durch Informationen bedeutungsvoll, (24:51) ein Ort wird bedeutungsvoll durch Beziehung. (24:57) Das Ziel der Fahrt, unterbrochen durch eine Pause mit Jause, (25:01) an einer Flussbiegung mit originalen Gibanzen, (25:05) war die berühmte Liebesinsel bei Isakowski. (25:09) Ein Ort mit Museum, Mühle, der selbst Geschichten erzählt, (25:16) wie Natur, Kultur und menschliche Erinnerung miteinander verwoben sind. (25:23) Ein Platz der Begegnung des Erzählens und der Erfahrung. (25:30) Hier entstanden die ersten kurzen gemeinsamen Gespräche. (25:37) Die haben zunächst einander wahrgenommen. ˧ (25:41) Es war ein wunderbarer Empfang, (25:44) den die Slowener mit Gesang den österreichischen Schülerinnen bereitet haben. (25:50) Genau hier ist dieser Gedanke, der Mura Calling bis heute begleitet entstanden. (25:56) Der Biosphärenraum ist kein Museum, er ist ein lebendiger Raum. (26:02) In dem Menschen leben, arbeiten lernen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. (26:07) Eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung. (26:11) ˧ Aber was bedeutet das für den Alltag junger Menschen? (26:15) Es bedeutet zu verstehen, dass die Zukunft dieses Flusses (26:18) nicht von anonymen Kräften weit entfernt entschieden wird. (26:23) Diese Zukunft hängt davon ab, ob eine junge Generation entsteht, (26:27) die sich als Teil dieses Lebensraums versteht. (26:30) Die Fahrt zur Liebesinsel war deshalb vielmehr als eine schöne Exkursion. (26:34) Sie war ein erstes kleines Labor für eine Neuart des Lernens. ˧ (26:39) Ein grenzüberscheidendes Lernen, nicht nur nationale Grenzen, (26:42) auch die Grenze zwischen Schule und Gesellschaft, die Grenze zwischen Theorie und Erfahrung, (26:46) die Grenze zwischen Mensch und Natur. (26:49) Und die Frage von Moor Calling, was würde passieren, wenn die jungen Menschen (26:56) entlang der gesamten Moor und eines Tages entlang der gesamten Moortrau-Donau-Biosphäre (27:03) beginnen würden, ihre Landschaft als gemeinsames Zuhause zu entdecken. (27:09) Damals war das noch eine kleine Vision. ˧ (27:12) Ein paar Boote auf einem Fluss, kurze Gesten zwischen Menschen, die einander erst kennenlernen mussten, (27:18) aber vielleicht entstehen alle großen Veränderungen genauso. (27:22) Nicht mit großen Erklärungen, sondern mit einem ersten gemeinsamen Weg, (27:26) oder in diesem Fall mit einer Fahrt flussabwärts und einem herzlichen Empfang. ˧
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(0:08) Nach dem ersten Treffen im Oktober war klar, die Idee könnte funktionieren, aber sie muss wachsen. (0:17) Sie muss vor allem von den Menschen getragen werden, die später damit arbeiten werden. (0:23) Und es ist nicht leicht, selbst wenn das BORG von der Methode, die wir in der Zwischenzeit ausprobiert hatten, begeistert war. ˧ (0:33) Es ist nicht leicht, dass gute Konzepte so leicht von außen an die Schulen herangetragen werden. (0:40) Also man bringt eine Methode, eine App, ein fertiges Programm und erwartet dann, dass Lehrerinnen und Lehrer das übernehmen. (0:50) Eine echte Bildungsinnovation braucht viel mehr. Sie entsteht durch gemeinsame Entwicklung. (0:55) Auch deshalb wurde der nächste Schritt von Mura Calding nicht einfach als Spiegelbild geplant, sondern als Weiterführung des Versuchs. (1:07) Auf der österreichischen Seite in Bad Radkersburg sollte ein ganzer Aktionstag entstehen. ˧ (1:12) Die Idee war kühn. Nicht mehr nur eine kleine Gruppe, nicht mehr nur zwei Schulen, sondern viele Altersgruppen, (1:21) mehrere Schulen und erstmals auch Gäste aus weiteren Ländern des Mur-Traudonau-Raumes. (1:28) Könnte eine kleine Stadt für einen Tag zu einem gemeinsamen Klassenzimmer werden? (1:32) Könnten Kinder und Jugendliche die Mura nicht nur als Naturraum, sondern auch als sozialen Raum erleben? (1:40) Könnten ältere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen? (1:49) Und könnte die Zivilgesellschaft zeigen, dass sie nicht nur über gesellschaftlichen Wandel spricht, sondern ihn auch organisieren kann? ˧ (2:00) Am 20. Mai 2026 sollte diese Frage ihre erste große Antwort bekommen. (2:07) Und sie fiel viel größer aus, als viele von uns erwartet hätten. (2:14) Die Idee war auf dem Papier einfach und in der Realität ziemlich kühn. (2:18) Mehr als 200 Kinder und Jugendliche aus neun verschiedenen Schulen, verschiedenen Altersgruppen und mehreren Ländern (2:25) sollten für einen Tag die Stadt und die Landschaft rund um die Mura zu ihrem gemeinsamen Lernraum machen. (2:32) Es war ein Härtetest, nicht nur für die Organisation, sondern auch für die pädagogischen Methoden, die Mura Calling entwickeln sollte. (2:41) Würde die Green Steps Methode mit ihren digitalen Lernpfaden funktionieren? (2:47) Würde die ARC-Plattform den jungen Menschen wirklich helfen, die Umgebung mitzuentdecken? (2:52) Könnten ältere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen? (2:57) Und würden Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, aus verschiedenen Bildungssystemen kommen, wirklich in Kontakt treten? (3:41) Die Antwort begann schon am Vormittag. ˧ (3:44) Während die vielen kleinen und großen Gruppen ihre Wege entlang der Muren durch die Stadt und bis rauf nach Hubertusburg aufnahmen, fand ein besonderer Moment statt. (3:55) Unter dem Titel »Raus aus dem Schneckenhaus« gestaltete Marlene Vollstuber-Eibl gemeinsam mit Kindergartenkindern aus Österreich und Slowenien eine berührende Potential-Entfaltungsreise. (4:08) Es war ein symbolischer Auftakt. Denn was bedeutet es eigentlich, aus dem Schneckenhaus heraus zu gehen? (4:15) Es bedeutet, die eigene kleine Welt zu verlassen, den Mut zu haben, neugierig zu werden, sich auf Fremdes einzulassen. (4:22) Und genau das war die eigentliche Aufgabe des ganzen Tages. (4:27) Derweilen machten sich die Gruppen auf den Weg. Mit Smartphones, Aufgaben und offenen Augen erkundeten die Kinder und Jugendlichen ihre Umgebung. (4:35) Und sie stellten Fragen, suchten Zusammenhänge, lernten Pflanzentiere, aber auch historische Orte und kulturelle Geschichten kennen. (4:44) Und, vielleicht am wichtigsten, sie entdeckten einander. ˧ (4:49) Denn dieses Mal war das Zusammensein innen viel intensiver. (4:54) Ein besonders schöner Aspekt war natürlich die Rolle der älteren Schülerinnen und Schüler. (4:58) Sie waren nicht nur Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sie wurden zu Begleiterinnen, Begleitern, Übersetzerinnen und Übersetzern, zu Vermittlern zwischen den Generationen. (5:08) Sie führten Gruppen, erklärten Aufgaben und halfen am Ende sogar selbstverständlich beim Aufräumen. (5:14) Das Burg, eine Schule, die Verantwortung nicht nur unterrichtet, sondern lebt. (5:22) Aber Murakolling blieb nicht innerhalb der Grenzen der Schule. (5:30) Die ganze Stadt begann ein bisschen Teil dieses Lernraums zu werden. (5:36) Der Jagdschutzverein bereitete besondere Stationen am Grünanger vor und brachte die Kinder in direkten Kontakt mit der Tierwelt. (5:43) Die Rathausburger Kurkonditorei überraschte die jungen Forscherinnen und Forscher mit gespendeten Baumkuchen. (5:51) Es waren kleine Gesten und doch zeigten sie etwas Großes. (5:56) ˧ Eine lernende Gemeinschaft entsteht dann, wenn nicht nur Schulen, sondern auch andere Gruppen Verantwortung für das Lernen ihrer jungen Menschen übernehmen. (6:08) Gegen Mittag kamen die verschiedenen Gruppen am Frauenplatz zusammen, ein kleiner Platz in einer kleinen Grenzstadt. (6:15) Und für einen kurzen Moment wurde zu einem Bild davon, wie Europa auch aussehen könnte. (6:24) Kinder und Jugendliche aus Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien begegneten einander. (6:29) Die jüngeren Kinder bemalten Steine. (6:31) Die älteren schrieben ihre Wünsche für die Zukunft auf hölzerne Wunschtafeln, inspiriert von einer alten japanischen Tradition. (6:39) Und die Wünsche waren erstaunlich. (6:41) Sie handelten nicht von Konsum oder Besitz. (6:45) Sie handelten von Frieden, von einer guten Zukunft für alle, von Dankbarkeit. (6:54) Peace for everyone, be grateful for every moment. (6:57) Und diese Botschaften erschienen in vielen verschiedenen Sprachen. (7:00) Deutsch und Slowenisch, aber auch Italienisch, Englisch und sogar Chinesisch. (7:05) Vielleicht konnte man an diesem Tag etwas erkennen, das oft vergessen wird. (7:10) Die junge Generation ist nicht nur Erbin unserer Probleme. ˧ (7:13) Sie ist auch Trägerin von Vorstellungen und Werten, die wir Erwachsene manchmal wieder neu entdecken müssen. (7:20) Natürlich war der Tag nicht hundertprozentig perfekt. (7:23) Ein Experiment mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, verschiedenen Altersgruppen und neuen digitalen Methoden zeigt auch, was verbessert werden kann. (7:32) Gerade das war aber eine der wichtigsten Erkenntnisse. (7:36) Denn Mura Calling wollte nie ein fertiges Programm exportieren. (7:41) Es ging darum, gemeinsam zu lernen. (7:44) Die GreenSteps-Methode, die ARC-Plattform und die Idee des Place-Based Learnings werden ihren wirklichen Wert erst dann entfalten, (7:50) wenn Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern sie gemeinsam weiterentwickeln und an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. (8:00) Am Nachmittag wurde dieser Gedanke im Bawilhaus nochmal auf eine andere Weise sichtbar. (8:07) Dort trafen sich jetzt nur noch die älteren Schüler und Schülerinnen zu Gesprächen, Spielen und auch von den Lehrern des Borg gestalteten Speed-Dating im Kreis über Sprach- und Landesgrenzen hinaus. ˧ (8:25) Gleichzeitig begannen die Erwachsenen drinnen im Seminarraum des Bawilhauses über die nächsten Schritte nachzudenken. (8:33) Und die Gäste aus Ungarn und Kroatien waren nicht mehr nur Beobachter, sie wurden mögliche Mitgestalter eines größeren Weges. (8:41) Sogar die verhinderten Paten aus Serbien ließen ausrichten, dass sie beim nächsten Schritt unbedingt dabei sein möchten. ˧ (8:50) Die Frage war nun nicht mehr, war Mura Calling ein Erfolg, sondern was kann jetzt daraus werden? (9:01) Was ist der Horizont, der über die Unmittelbarkeit des Events hinausgeht? (9:55) Ja, bevor wir jetzt diesen Blick in die Zukunft wagen und ins Prinzipielle, muss ich nur sagen, ich habe mich sehr gefreut, dass viele, viele Akteure einfach diesen Versuch in der Stadt sehr positiv wahrgenommen haben. (10:12) Die Vizebürgermeisterin war da, das Regionalmanagement, der Biosphärenparkmanager und es war ansteckend, die Freude an diesem Tag. (10:25) Und wir sind dann im Bawilhaus noch lange zusammengesessen und haben uns Geschichten erzählt. ˧ (10:35) Und ich bin eigentlich wirklich froh und die Frage natürlich, war das alles jetzt ein gelungenes Ereignis oder haben wir etwas entdeckt, was weiter wachsen möchte? (10:51) Zu viele gute Ideen scheitern daran, dass sie zu schnell zu großen Programmen werden. (10:56) Sie werden in Anträge geschrieben, in Organisationsdiagramme gegossen und mit Erwartungen beladen, bevor sie wirklich Wurzeln geschlagen haben. (11:06) Ein lebendiger Baum wächst anders, er braucht Zeit, er braucht einen guten Boden und vor allem braucht er viele Menschen, die ihn als ihren eigenen Baum betrachten. ˧ (11:20) Deshalb ist der nächste Schritt von Moorer Calling vielleicht der wichtigste von allen. (11:25) Nicht die Frage, wie können wir dieses unser Projekt verlängern, sondern die viel offenere Frage, was haben wir gemeinsam gelernt und was möchten wir daraus machen? (11:38) Diese Frage führt uns zu einem besonderen Treffen, das am 6. Juli stattfinden wird. (11:45) Wir werden nämlich wieder eine gemeinsame Fahrt auf der Moor machen. ˧ (11:51) Diesmal ein bisschen weiter unten, vom Moorsker Schredische Fluss abwärts. (11:57) Und da werden Menschen aus fünf Ländern dabei sein. (12:01) Lehrerinnen und Lehrer, Vertreter von Schulen und Gemeinden. (12:05) Und dieser Ort ist nicht zufällig gewählt. (12:11) Der Fluss lehrt uns etwas über Zusammenarbeit. (12:15) Kein Zufluss fragt den anderen, ob seine Sprache dieselbe ist. ˧ (12:19) Kein Seitenarm konkurriert mit dem Hauptstrom. (12:22) Die Stärke eines Flusssystems entsteht aus der Vielfalt seiner Wege und aus der Verbindung seiner Teile. (12:30) Vielleicht ist das die schönste Metapher für eine zukünftige Moor-Traudonau-Lernregion. (12:36) Eine Region, in der Schulen nicht miteinander um Schüler und Schülerinnen und Schüler konkurrieren, (12:42) sondern gemeinsam die Qualität des gesamten Bildungsraums erhöhen. (12:46) Eine Region, in der ein Biosphärengymnasium in Bad Ratkosburg nicht einfach nur ein Zentrum ist, (12:58) sondern ein Knotenpunkt in einem Netzwerk gleichwertiger Partner. (13:02) Eine Region, in der ein Schüler, eine Schülerin aus Lüttermeer oder aus Lenti, (13:08) eine Klasse aus Tschakowetz oder ein Gymnasium in Serbien (13:10) dieselbe Landschaft aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen und gemeinsam erforschen. (13:20) Entscheidend ist, dass die Menschen gemeinsam eine Vision entwickeln. (13:27) Auch wenn wir schöne Werkzeuge haben, ein Hammer baut noch kein Haus. (13:31) Die eigentliche Innovation ist die Verbindung von digitaler Vernetzung mit einer tiefen Verwurzelung im Ort. (13:40) Naja, und jetzt sind wir endlich beim Thema der globalen Dörfer. (13:46) Hier entsteht etwas, was sich ein globales Dorf der Biosphäre nennen möchte. (13:53) Ein Raum, in dem moderne Technologie nicht dazu dient, uns immer weiter von unserer Umwelt zu entfernen, (14:00) sondern uns wieder mit ihr zu verbinden. ˧ (14:04) Vielleicht ist das eine der wichtigsten kulturellen Aufgaben des 21. Jahrhunderts. (14:10) Die Menschheit hat ein weltumspannendes Netz geschaffen. (14:14) Wir können mit Menschen auf der anderen Seite des Planeten sprechen, künstliche Intelligenzen befragen, (14:18) haben Zugang zu mehr Wissen als jede Generation vor uns. (14:22) Und dennoch erleben viele Menschen ihre unmittelbare Umgebung immer weniger bewusst. (14:26) Wir kennen die digitale Welt oft besser als die Becher hinter unseren Häusern. (14:31) Wir wissen mehr über ferne Ereignisse als über die Pflanzen, die vor unserer Haustür wachsen. (14:36) Murakolling ist ein kleiner Versuch, dieses Ungleichgewicht wieder zu korrigieren. (14:41) Nicht durch die Ablehnung der Moderne, sondern durch ihre Weiterentwicklung. (14:47) Also quasi nicht zurück zur Natur, sondern vorwärts zur Natur. (14:51) Hinein in eine neue Beziehung zwischen Kultur, Technologie und lebendiger Erde. (14:57) Und vielleicht ist das der tiefste Sinn einer Biosphärenregion. ˧ (15:01) Nicht ein Stück Natur, das wir unter eine Glasklocke stellen, (15:05) sondern ein gemeinsames Experiment der Menschheit. (15:09) Die Frage, wie wir lernen können, auf einem begrenzten Planeten gut zu leben. (15:14) Und vielleicht beginnt eine Antwort darauf tatsächlich an einem kleinen Fluss in Herzen Europas, (15:20) dort wo die Mur ruft, fünf Länder zu einer Bioregion zusammenzudenken. (15:28) Also die Grenzregionen von fünf Ländern sozusagen. (15:33) Ja, und an diesem Punkt möchte ich jetzt wieder auf den lieben Heinrich Schmidlechner zurückzukommen. (15:40) Wir haben ja nicht nur über die Geschichte gesprochen, sondern auch genau über diese Zukunft. (15:45) Und der Gleichklang mit ihm ist wunderschön und ich lasse ihn einfach weiter erzählen. ˧
(22:36) Nach dem Gespräch mit Heinrich Schmidlechner blieb mir ein Gedanke besonders hängen. (22:45) Er gehört zu jener Generation, die noch erlebt hat, was Grenzen in Europa wirklich bedeuten können. ˧ (22:50) Und die vielleicht gerade deshalb verstanden hat, wie kostbar es ist, wenn ein Fluss nicht mehr trennt, sondern verbindet. (22:59) Sein Lebenswerk und das vieler Menschen im Biosphärenraum beruht auf einer einfachen Erkenntnis. (23:06) Frieden entsteht nicht in großen Verträgen. Frieden entsteht dort, wo Menschen beginnen einander zuzuhören, (23:12) miteinander zu lernen und gemeinsame Verantwortung für den Lebensraum zu übernehmen. (23:20) Und dennoch drängt sich heute, gerade heute, eine unbequeme Frage auf. (23:27) Haben wir noch die Zeit, auf diese langsamen Prozesse des Vertrauensaufbaus zu setzen? (23:34) Denn wir leben in einer Epoche, in der der Ton überall wieder härter wird. ˧ (23:42) In der internationalen Politik genauso wie in den sozialen Medien, in der politischen Sprache tauchen wieder Begriffe auf, (23:50) die wir in Europa überwunden glaubten. Aufrüstung, Abschreckung, Feindbilder, geopolitische Blöcke. (23:58) Und im gesellschaftlichen Alltag, in sozialen Medien verhärten sich die Fronten, da wird entfreundet, was das Zeug hält. ˧ (24:09) Ein Teil dieser Entwicklung ist eine Reaktion auf reale Ängste und reale Konflikte. (24:16) Niemand kann die Gefahren unserer Zeit einfach wegwünschen. (24:20) Vielleicht entsteht diese Härte aber auch aus einer kollektiven Überforderung. ˧ (24:24) Wir spüren, dass die alten Versprechen unbegrenzten Wachstums längst brüchig geworden sind. (24:31) Die ökologische Krise wird immer sichtbarer, die Welt wird komplexer und unsicherer. (24:36) Und in solchen Zeiten wächst die Versuchung nach einfachen Antworten zu suchen, nach mehr Kontrolle, nach stärkeren Grenzen, (24:45) nach einem klaren Freund und einem klaren Feind. ˧
(24:48) Und dieses Phänomen ist spiegelbildlich wie ein Teufelskreis. (24:52) Jede Härte auf der einen Seite führt zur Verhärtung auf der anderen. (24:57) Und vielleicht ist gerade jetzt der Moment, in dem wir eine andere Form der Stärke wiederentdecken müssen.
(25:06) Die Stärke der Kooperation (25:34) Wenn Jugendliche aus Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien gemeinsam einen Fluss erforschen, (25:40) dann lösen sie damit zwar nicht die großen Konflikte unserer Zeit, aber sie lernen etwas, (25:47) das jede friedliche Zukunft braucht. (25:50) Dass der Mensch auf der anderen Seite der Grenze nicht zuerst ein Fremder ist, (25:56) sondern ein Mitbewohner derselben Erde. (26:00) Dass wir nicht zwangsläufig zwischen Mensch und Natur wählen müssen. ˧ (26:06) Dass wir nicht zwangsläufig zwischen unserer eigenen Identität und der Zusammenarbeit mit anderen wählen müssen. (26:17) Dass ein Fluss gleichzeitig Lebensraum und Lernraum sein kann. (26:22) Dass Grenzen gleichzeitig Geschichte haben und dennoch zu Orten der Begegnung werden können. ˧ (26:31) Die Zukunft entsteht vielleicht nicht dadurch, dass wir zuerst die ganze Welt verändern. (26:36) Sie entsteht dort, wo Menschen beginnen, eine andere Art des Zusammenlebens praktisch zu erproben. (26:45) Ein gutes Beispiel hat eine besondere Kraft. (26:50) Es zwingt niemanden. (26:52) Es überzeugt nicht durch Macht. (26:55) Es wirkt durch seine Existenz. (27:00) Vielleicht ist das die eigentliche Hoffnung, die von der Moor ausgeht. (27:04) Nicht die Vorstellung eines perfekten Modells, das überall kopiert werden soll, (27:10) sondern die Einladung an andere Regionen der Welt, ihre eigenen Antworten zu finden (27:16) und einfach ein bisschen Ermutigung zu finden, dass wir das auch tun. (27:23) Die Moor hat gerufen und wir haben begonnen zuzuhören. ˧ (27:30) Ich danke Euch, die ja diese Sendung bis zum Ende gehört habt, für das Zuhören. (27:40) Und wir werden uns wiederhören, aller Voraussicht nach im Juli. (27:49) Es ist viel, viel Denkarbeit zu leisten, wenn wir wirklich klären wollen, (27:58) was die unbegrenzten Möglichkeiten sind, wie sie zu gestalten sind, (28:04) was eine Bioregion bedeutet. (28:07) Wir werden viel, viel ins Detail gehen müssen und das ist eigentlich das Schöne. (28:15) Außerdem haben wir gerade eben auch die beiden Projekte, (28:22) das ich das letzte Mal vorgestellt habe und das ich heute vorgestellt habe, (28:28) Mura Calling und Mitmachräume, in eine produktive Synergie gebracht (28:33) und werden auch versuchen, kleine Laboratorien sozusagen (28:40) auch in der Natur entstehen zu lassen und mit den Schulen und den Jugendlichen (28:49) und allen interessierten Bevölkerungsgruppen diesen Spirit (28:53) "The best way to predict the future is to invent it", bei uns Realität werden zu lassen. (29:01) In diesem Sinn, herzlichen Dank, bis zum nächsten Mal. ˧
Sunday Lights Blue Dot Session
Mura River Draft SUNO AI NC
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